Meine kleine Norwegenfahrt

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axelfoley
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Meine kleine Norwegenfahrt

Beitrag von axelfoley » Mi 25. Aug 2010, 11:01

twsms



BeitragVerfasst am: 15 Okt 2009 23:44
Titel: Meine kleine Norwegenfahrt
Im Sommer hatte ich ungefähr 10 Tage Zeit und beschloss, sie für eine Norwegentour zu nutzen.
Verwandte von mir wohnen in Bergen und haben eine Hütte in der Nähe von Voss. Dorthin wollte ich und mit ihnen 2-3 Tage wandern.
Hin und zurück sollte mich die Zong bringen.
Gepäckrolle und Regenhose besorgt, Navi am Möp befestigt mit Kopfhörer Anschluss unter der Sitzbank, Fährkarten Kiel/Oslo besorgt und ( ich wollte es gern komfortabel haben) 2 Übernachtungen in Hotels reserviert, eine in der Nähe von Geilo für die Hinreise, die andere in Rjukan für die Rückreise. Die Distanzen hatte ich so gewählt, dass ich pro Tag etwa 250 km zu fahren hatte, nur am ersten Rückreisetag würden es 300 sein.
Der erste Tag brachte mich nach Kiel zum Norwegenkai. Alles schien ganz easy, nur in Kiel sagte plötzlich das Navi nichts mehr, es war ausgegangen. Da es nach dem Einschalten sofort wieder funktionierte, dachte ich mir nichts dabei.
Ein eigenartiges Gefühl mit der kleinen Zong zwischen all diesen riesigen Motorrädern…
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Die Fähre nach Norwegen ist eigentlich kein Schiff, das ist ein Hochhaus (13 Stockwerke) mit eingebauter Einkaufs-Straße. Schönes Wetter am 1. Tag, sonnige Überfahrt direkt nach Oslo.
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Das Schiff..

2. Tag: In Oslo das erste Problem: nach wenigen Minuten auf der Ausfallstraße ist das Navi wieder aus. Ich schalte es wieder ein, … es geht wieder aus… ich schalte es wieder ein.. es geht wieder aus… Es dauerte eine Weile bis ich herausgefunden hatte, dass anscheinend Vibrationen das Problem waren: wenn ich das Navi so verdrehte, dass eine Ecke sich am Rahmen abstützte, blieb es an. Nachdem ich aus der Stadt heraus war, konnte Norwegen mir zeigen, wie schön es ist- ein wunderbares Land!
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Die Zong schnurrt, meine Sorge, ob sie die Berge raufkommt, war vollkommen überflüssig, fast immer könnte ich schneller fahren, als ich möchte.
Mit einigen kleinen Pausen geht es weiter über die Hardangavidda nach Geilo zum 1. Hotel, eher ein Motel, aber mit gutem Essen….
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Der dritte Tag soll mich nach Bergen bringen. Schon morgens grau, aber noch trocken. Sicherheitshalber die Regenhose angezogen, sie hilft auch gegen die Kälte. Immerhin liegen neben der Straße hier und da noch Schneereste. Mittags Pause mit Kaffe und Waffeln am Vöringsvoss…
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Es geht durch einen Tunnel, der tatsächlich im Berg einem Vollkreis folgt! (Die spinnen, die Norweger!), das Licht des Zongs ist besch…
Es fängt an zu regnen… Jacke und Hose halten gut dicht, aber die Handschuhe und Schuhe werden immer nasser. In einem Tunnel hinter mir 2 Motorräder. Nach dem Tunnel halte ich an, eine SMS nach Haus schicken, neben mir bleiben die Motorräder stehen: 2 große BMW. „Willst du mit DEM Mopped zum Nordkap“ fragt mich der eine Fahrer: „Nein, nur nach Bergen!“ „Alle Achtung, Respekt!“
Müde und etwas durchgefroren komme ich am Nachmittag in Bergen bei den Verwandten an. Ein Tag Pause am Sonntag wegen Geburtstagsparty meiner Schwägerin, mir ist es recht.
Am Montag geht es weiter zum Ferienhaus, Hütte nennen das die Norweger, mein Gepäck reist mit meinen Verwandten im Auto, so habe ich es auf der Zong etwas bequemer. Nur 100 km, da macht es nichts, dass es wieder regnet.
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Dienstag: mit dem Wandern wird es nichts, meine Schwägerin hat eine Entzündung im Fuß und Wanderverbot. Was soll‘s, ich sehe mir Voss an, kaufe ein (Imprägnierspray für Schuhe und Handschuhe) und genieße den Tag.
Am Mittwoch zeigen mir meine Verwandten, wo wir eigentlich wandern wollten, aber mit dem Auto. Ich muss da nochmal hin!
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Donnerstag: gutes Wetter, ich mache einen Ausflug zum Sognefjord. Ich habe gehofft, dass von dort eine Bootstour möglich ist, finde aber nur Fähren, also fahre ich zurück zur Hütte mit einem Abstecher zu einer alten Stabkirche und einem zweiten Besuch in den Bergen, diesmal allein mit der Zong. Das Wetter schlägt um, es beginnt zu regnen.
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Die Wege immer schmaler und Feldweg-ähnlicher, mittendrin bekomme ich eine SMS, die aber verstümmelt ankommt, kein ausreichendes Handynetz mehr.
Rundum nur Berge , Schnee und Wasser, jetzt bitte keine Panne, sonst kann ich 3 Stunden schieben…
Nein, es gab keine Panne, ich komme gut und beinahe trocken wieder bei der Hütte an.
Am Freitag Abschied von den Verwandten, es geht zurück. Die 300 km Etappe, denn am Sonnabend Mittag muss ich in Oslo bei der Fähre sein. Ausgerechnet heute Regen schon beim Losfahren.
Es regnet nicht nur beim Losfahren, sondern eigentlich den ganzen Tag. Gegen Mittag halte ich bei einer Burger-Bude, um etwas zu essen und ein bißchen abzutropfen. Nach der Pause geht es weiter, mein Tank ist ziemlich leer, aber bis zur Tankstelle in 50 km müsste es eigentlich gut reichen ( ich fahre ohne Reservekanister) Regen, kalt, ich fahre in einen mehrere Kilometer langen Tunnel ein und freue mich: wärmer hier, wenn auch dunkel. Ich ändere die Sitzposition ein wenig, um den verlängerten Rücken zu entlasten… Was ist das? Warum kann ich mich so gut bewegen? Wo ist mein Rucksack!?!? Sch…, in der Burgerbude vergessen! Umkehren im Tunnel? Nein, zu gefährlich, also durchfahren bis zum Ende. Aber mein Tank? Kurz und gut, ich bin an diesem Tag den Tunnel 3 mal gefahren, davon 2 mal sehr langsam, um Sprit zu sparen. In der Burgerbude kommt mir die Bedienung schon mit dem Rucksack entgegen. Das Benzin hat auch bis zur Tankstelle gereicht. Irgendwann am Nachmittag plötzlich ein widerliches Scheppern zwischen 50 und 70 km/h. Es klingt nicht so, als sei im Motor etwas kaputt, mehr wie Metall auf Plastik, aber extrem nervend. Unter 50 ist zu langsam, über 70 bei diesem Regenwetter zu schnell, also fange ich an, nach dem Grund zu suchen. Nach einer Weile finde ich es: eine Schraube, die die seitlichen Plastikverkleidungen mit einem Träger verbindet, ist weg. Das Plastik rasselt an der losen Verbindungsstelle. Harmlos und wohl mein Fehler, ich habe die Schraube bei der letzten Wartung vermutlich nicht ordentlich angezogen...
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Ich verbiege den Träger so, dass die Stelle unter Spannung kommt, und das Rasseln ist weg.
Abends um ½ 6 bin ich endlich am Hotel, nass bis auf die Knochen. Beide Handschuhpaare triefen, das Wasser hat sich die Ärmel hochgearbeitet bis zum Ellbogen, und meine Schuhe… Nächstesmal mit wetterfesten Motorradstiefeln bitte! Sogar meine Kreditkarte ist nass, denn wegen des kleinen Tanks hatte ich die Brieftasche in einer Außentasche der Regenhose, und da ist es auch nass geworden. Überall im Hotelzimmer hängt oder liegt Wäsche zum Trocknen.

Am Sonnabend früh auf, denn bis 12 muss ich in Oslo an der Fähre sein. 175 km sind zu fahren.
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Der Regen hat aufgehört, manchmal sieht man sogar die Sonne. Je weiter ich mich Oslo nähere, desto besser wird das Wetter. Als ich um 12 im Hafen ankomme, scheint wieder richtig die Sonne, und am liebsten würde ich sofort umkehren und doch zum Nordkap fahren…
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Am nächsten Morgen die 60 km bis nach Haus fahre ich mit Wehmut und dem festen Plan, wirklich einmal mit der Zong oder vielleicht doch einer Original Inno oder etwas vergleichbarem zum Nordkap zu fahren. Vielleicht hin mit der Hurtigrute und zurück über Land oder andersrum? Aber nicht allein!
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Michael
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CB50_1980



Anmeldungsdatum: 04.10.2008
Beiträge: 867
Wohnort: südwestliches Umland Berlin
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BeitragVerfasst am: 15 Okt 2009 23:53 Titel: Antworten mit Zitat
Wow

Gruß, Martin
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Böcki



Anmeldungsdatum: 10.07.2008
Beiträge: 1486
Wohnort: Münsterland
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BeitragVerfasst am: 16 Okt 2009 8:31 Titel: Antworten mit Zitat
schöne Reise & klasse Bericht dazu
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Honda Innova ** 07/2008 ** mit 36.559 km
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RunNRG



Anmeldungsdatum: 11.12.2008
Beiträge: 612

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BeitragVerfasst am: 16 Okt 2009 8:43 Titel: Antworten mit Zitat
TOLL! Very Happy
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Trabbelju



Anmeldungsdatum: 13.06.2008
Beiträge: 517
Wohnort: Breisgau
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BeitragVerfasst am: 16 Okt 2009 10:08 Titel: Antworten mit Zitat
Danke für deinen Bericht, es ist eine echte Bereicherung.

So langsam gerate ich innerlich auch unter Druck, einfach mal was mit der Innova zu unternehmen, an das ich mich in 20 Jahren noch gerne erinnere.
Und wenn ich diese 300 kg Trümmer von Reisemopeds aufgereiht stehen sehe, dann tun mir die Treiber mittlerweile richtig leid.

Gruß Wolfgang
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Motel
Gast






BeitragVerfasst am: 16 Okt 2009 10:52 Titel: Antworten mit Zitat
Respekt Michael,
Super Toure und Bericht.
Da bekommt man lust sich wiedermal auf die Inno zu schwingen. respekt.gif
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Zweirad



Anmeldungsdatum: 11.10.2009
Beiträge: 48
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BeitragVerfasst am: 16 Okt 2009 13:03 Titel: Antworten mit Zitat
Hallo Michael,
wirklich toll gemacht, Dein Bericht. Du wirst sehen, daß Du die Regentage bald vergißt und nur das wirklich Positive dieser Reise in Erinnerung behälst. Ich habe Norwegen in den 80er Jahren mit Familie und Wohnwagen bereist. Ich muß sagen, nach Deinem tollen Bericht kommt doch wieder Reiselust auf.
Grüße, Joe.
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twsms



Anmeldungsdatum: 07.12.2008
Beiträge: 41
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BeitragVerfasst am: 16 Okt 2009 13:31 Titel: Antworten mit Zitat
Ich möchte die Regentage aber garnicht vergessen! Laughing

Die gehörten dazu und waren auch gut, nur die Ausrüstung dafür wird beim nächsten Mal besser!
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Sieht doch gut aus!

TWSMS
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Böcki



Anmeldungsdatum: 10.07.2008
Beiträge: 1486
Wohnort: Münsterland
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BeitragVerfasst am: 16 Okt 2009 14:12 Titel: Antworten mit Zitat
wieviele Km bist Du denn insgesamt gefahren?
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Honda Innova ** 07/2008 ** mit 36.559 km
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twsms



Anmeldungsdatum: 07.12.2008
Beiträge: 41
Wohnort: Nähe Kaltenkirchen
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BeitragVerfasst am: 16 Okt 2009 14:27 Titel: Antworten mit Zitat
Ungefähr 1500, Verbrauch etwas weniger als 2 l/100 km Very Happy

Michael
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t4lupo



Anmeldungsdatum: 15.06.2008
Beiträge: 1031

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BeitragVerfasst am: 16 Okt 2009 14:30 Titel: Antworten mit Zitat
Hallo Michael,
schöner Bericht über die Norwegen Tour und Du hast uns wieder mal gezeigt das mit den CUB's eine größere Reise möglich ist.
Gerade Skandinavien ist kein Problem da die dort erlaubte Höchstgeschindigkeit gut zu den CUB's passt reindeer
Wieviel Euro muss man den so für Fähre und Übernachtung rechnen ?
_________________
Gruß Dirk
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href="http://www.spritmonitor.de/de/detailansicht/267471.html" target="_blank"> original Hondateile zu verbauen? Habe da auch schon ein paar Kleinigkeiten bestellt und dank FernAbsG geht man auch kein großes Risiko ein auf nicht passenden Teilen sitzen zu bleiben Wink

Gruß
Gerald
_________________
KMS HS 125-2
23000km
2,5l/100km
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twsms



Anmeldungsdatum: 07.12.2008
Beiträge: 41
Wohnort: Nähe Kaltenkirchen
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BeitragVerfasst am: 17 Okt 2009 14:30 Titel: Antworten mit Zitat
@ the-dude:

Ja, die CBF habe ich auf der Liste, aber mich strören die Einzelsitze, ich denke, man kann nicht mal nach hinten rutschen, wenn man anders sitzen möchte.

Deshalb denke ich zur Zeit eher an eine Yamaha YBR 125 oder etwas ähnliches.

Wie ist die CBF auf langen Fahrten? Confused Bequem? sehr nass bei schlechtem Wetter? Confused

Michael
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the-dude



Anmeldungsdatum: 20.09.2009
Beiträge: 34
Wohnort: Bremen
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BeitragVerfasst am: 17 Okt 2009 15:36 Titel: Antworten mit Zitat
Meine längste Tour war bis jetzt gerademal 200km lang. Bin 193cm groß und habe überhaupt keine Probleme. Auf dem Sitz kann man aber seine Sitzposition auch immer ein wenig verändern, damit man keine Rückenschmerzen wegen einseitigen Sitzens bekommt.

Regen? Man wird halt nass, normaler Motorradregenschutz eben. Aber wasserdichte Kombi, wasserdichte Stiefel und Handschuhe sind schon empfehlenswert. Wenn es stark regnet ziehe ich diese Plastikregenhandschuhe über und das gleiche für die Stiefel. Das einzige was dann nass wird ist leider mein Helm, dank der Lufteinlässe.

Fährt sich aber richtig gut und ist dabei noch sparsam, wobei ich bei meiner letzten Tankfüllung fast nur Vollgas auf der Landstraße gefahren bin.

Gruß Terence
_________________
Honda CBF 125
XJ 600 N
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