Erfahrungsbericht Wave

smx
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Erfahrungsbericht Wave

Beitrag von smx » Mo 16. Apr 2018, 09:16

Hallo,

ich möchte dem Forum was in Form eines Erfahrungsberichtes zurückgeben, vielleicht interessant für Kaufinteressenten und Neueinsteiger.

Meine Wave habe ich im April 2015 gekauft und wir wurden durch einen Unfall mit Totalschaden im September 2017 (viewtopic.php?f=33&t=7629) unsanft geschieden. Also nur 3 Sommer und zwei Winter über 3800km gefahren. Die Wave hat mich in der Zeit nie im Stich gelassen, aber schon die eine oder andere Macke gehabt:

- Die Schaltung, der grosse Unterschied zu einem Roller:
Positiv ist hier das Motorradgefühl vorzuheben. Gerade mit dem erwachsen klingenden Motorsound der 109ccm fühlt man sich fast wie auf einem normalen Motorrad. Das Motorengeräusch eines Rollers mit Variomatik wie bei einem Boot nervt im Vergleich nur.
Negative Aspekte gibt es aber leider auch, für mich als relativ unerfahrenen Motorradfahrer hat die Schalterei immer für etwas Ablenkung gesorgt. Selten habe ich beim Ankommen an einer Ampel das Runterschalten vergessen und bin auch mal im vierten Gang angefahren, das sorgt dann durch die kaum vorhandene Beschleunigung für Panik ;) . Und man kann sich halt auch wie beim Motorrad schön verschalten, in einer Autobahnausfahrt zu früh runtergeschaltet und der Einzylinder zeigt, was er an Verzögerung kann, dann stellt sich die Fuhre in der Kurve erstmal auf. Freunde die ich mit der Wave fahren liess, fanden die entgegengesetzte Schaltrichtung im Vergleich zum Motorrad übel und konnten auch manchmal nicht schalten, weil die Schaltung durch die Beschleunigung gesperrt war. Kann natürlich auch trotz orginial Hondaservice schlecht eingestellt sein.
Im Frühjahr konnte ich einmal kaum noch schalten, etwas WD40 in die Welle am Schalthebel half aber.
Gerade für Unerfahrene, die den Motorradführerschein mit 3x wie ich nachgemacht haben, ist vielleicht eine Variomatik mit der elenden Geräuschkulisse besser, die können sich dann auf den Rest konzentrieren.
Auch die Kette, die man fetten oder ölen muss, entfällt bei der Variomatik.

- Rost
war durch Volljahresbetrieb dank Streusalz leider auch bei der keine drei Jahre alten Wave ein Thema. Nach dem ersten Winter sah schon der Auspuff übel aus, nach dem zweiten kamen dann der Hauptständer dazu, auch die Fussstützen. Der dünne Lack bietet da kaum Schutz, auch Teile, die nicht wie der Hauptständer mechanisch belastet sind, rosteten.

- Hauptständer
war auch nach einem Jahr ein kleines Problem, er ging nicht von selbst in die obere Position beim Losfahren sondern blieb knapp über der Strasse hängen, was dann in der ersten Kurve kratzte. Auch Fetten brachte keine Abhilfe auf Dauer. So ein Problem hatte ich noch bei keinem Motorrad oder Roller, die Rückstellfeder scheint mir einfach zu schwach.

- Gas
nach zwei Jahren hatte ich das Problem, dass das Gas nicht auf Standgas zurückging. Normalerweise kann man ja an eine Ampel fast ohne Bremsen ranverzögern, alleine durch den Motor im Standgas. Das ging auf einmal nicht mehr. Den Bowdenzug an beiden Enden mit WD40 geflutet brachte Abhilfe, ein unangenehmes Gefühl blieb aber, das Phänomen sorgte für unangenehme Situationen.

- Fussstützgummis
Die originalen waren nach nicht mal 1000km durch, der Schaltfuss wird halt durchs Schalten viel darauf bewegt. Hab mir nach Rat hier im Forum die aus Thailand bestellt, die waren bedeutend haltbarer.

- Tanken und Schloss der Sitzbank
Trotz des geringen Verbrauchs um die 2l auf 100km tankt man ja mit dem Mini Tank von 3,7l oder wieviel ist das genau, recht oft. Ich fuhr zur Tanke, nachdem die Tankanzeige sich schon viele km nicht mehr gerührt hat und bekam trotzdem nie 3l in den Tank. Beim nächsten Zweirad ist ein ausreichend grosser Tank das erste auf das ich schaue. Das fummelige Sitzbankschloss ist ein Thema für sich, eigentlich funktionierte es bei mir aber beim Schliessen war man sich nie sicher, kein sauberes Einrasten. Und beim Öffnen sucht man auch nach einigen Tankvorgängen das Schloss, ich musste mich jedes Mal bücken.

- Autobahnfahrten
Ich hatte ja original Übersetzung und bin übergewichtig, wiege vermutlich so viel wie die fünfköpfige Thaifamilie auf den Wavefotos. Damit waren Autobahnfahrten schon unangenehm. Je nach Steigung und Gegenwind schafft man die 93km/h, bei denen die LKW abregeln, gerade so, also sicher Überholen ist was anderes. Das Motorengeräusch dabei lässt einen fünfstellige Drehzahlen schätzen, ganz so schlimm wird es nicht sein und gehalten hat es auch :-). Auch am Berg, z.B. bei uns im Taunus den Feldberg hoch wären ein paar PS nett, dass man nicht so unter die 60km/h fällt...

Aber alles in allem war die Wave ein tolles Motorrad, gerade für das kleine Geld, das man anlegt. Sound und für mich mit 1,88m perfekte Sitzposition wie eine Grosse. Zuverlässig dank Kickstarter in jedem Zustand.

Auch ein halbes Jahr danach habe ich aber noch den Crash in Erinnerung und will daher entweder was lahmeres, also eine tüvfreie 50er wie z.B. die Vision 50, die ja gar nicht mehr von Honda angeboten wird. Oder wenn 125 und grösser dann unbedingt ABS, obwohl ich mir sicher bin, dass es den Crash auch nicht verhindert hätte. Mal sehen was die neue CUB mit ABS dann wirklich kostet...
Gruß, Stefan

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Re: Erfahrungsbericht Wave

Beitrag von Böcki » Mo 16. Apr 2018, 09:42

smx hat geschrieben:
Mo 16. Apr 2018, 09:16
Trotz des geringen Verbrauchs um die 2l auf 100km tankt man ja mit dem Mini Tank von 3,7l oder wieviel ist das genau, recht oft.
äähm...bei 3.800km in 2,5 Jahren komme ich auf einmal Tanken alle 6 Wochen. Also sooo oft ist das in deinem Fall nu auch nicht :lol:

Ich bin längere Zeit 1.000km pro Woche gefahren, da kann man da von "recht oft tanken" reden ;)

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Re: Erfahrungsbericht Wave

Beitrag von Trabbelju » Mo 16. Apr 2018, 12:35

smx hat geschrieben:
Mo 16. Apr 2018, 09:16
Negative Aspekte gibt es aber leider auch, für mich als relativ unerfahrenen Motorradfahrer hat die Schalterei immer für etwas Ablenkung gesorgt. Selten habe ich beim Ankommen an einer Ampel das Runterschalten vergessen und bin auch mal im vierten Gang angefahren, das sorgt dann durch die kaum vorhandene Beschleunigung für Panik ;) . Und man kann sich halt auch wie beim Motorrad schön verschalten, in einer Autobahnausfahrt zu früh runtergeschaltet und der Einzylinder zeigt, was er an Verzögerung kann, dann stellt sich die Fuhre in der Kurve erstmal auf. Freunde die ich mit der Wave fahren liess, fanden die entgegengesetzte Schaltrichtung im Vergleich zum Motorrad übel und konnten auch manchmal nicht schalten, weil die Schaltung durch die Beschleunigung gesperrt war.
Gerade für Unerfahrene, die den Motorradführerschein mit 3x wie ich nachgemacht haben, ist vielleicht eine Variomatik mit der elenden Geräuschkulisse besser, die können sich dann auf den Rest konzentrieren.
Auch die Kette, die man fetten oder ölen muss, entfällt bei der Variomatik.
Gerade die angesprochenen Schaltprobleme hat der Prüf-Ingenieur auch alle zwei Jahre, wenn ich mir einen neuen Stempel hole.
Ich laß ihn leiden, dann geht es schneller.
Die Antworten auf deine Negativ-Aspekte hast du dir selber schon gegeben, ihr seid einfach nicht mit einander klar gekommen.
Und dann ist sicher ein Jehova ein passenderes Zweirad für dich.

Ich finde die Schaltwippe der CUB genial, es ist mir aber auch schon passiert, daß ich auf der BMW innovamäßig runter anstatt rauf geschaltet habe.
Nur gebe ich mir dann die Schuld und schmunzel über mich.

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